Eine Nahaufnahme des goldenen Tresorrads im Weinkeller von Daniel TwardowskiEine Nahaufnahme des goldenen Tresorrads im Weinkeller von Daniel Twardowski

02.12.2021

Investment mit Genuss: So wertvoll kann Wein sein

Winzer und Weinhändler Daniel Twardowski lagert in seinem Tresorkeller echte Goldtröpfchen. Denn Wein ist eine spannende Anlage mit großem Genussfaktor

Zwei Stockwerke unter der Erde, umgeben von meterdicken Betonwänden und gesichert mit einer tonnenschweren Tresortür liegt die Schatzkammer von Daniel Twardowski. Wobei das Wort »Kammer« untertrieben ist. Auf 120 Quadratmetern erstreckt sich über zwei Ebenen ein Hochsicherheitsbunker, einst gebaut, um Erdbeben und Atomkriegen standzuhalten. Jahrzehntelang lagerten hier die Gold- und Bargeldreserven der Landeszentralbank von Rheinland-Pfalz. Heute ruhen in den grauen Metallregalen Kostbarkeiten, die Namen tragen wie: Ornellaia, Dom Pérignon oder Romanée-Conti. Behutsam zieht Daniel Twardowski aus einem der Regalböden eine Weinflasche hervor. Domaine de la Romanée-Conti, La Tâche Grand Cru steht auf dem Etikett. Jahrgang 1947. »So ein Wein kostet etwa 4000 bis 5000 Euro pro Flasche. Das sind echte Goldschätze«, sagt Twardowski.

Sehen Sie im Video: Im Tresor eines Weinhändlers

Der 42-Jährige ist Weinhändler. Er kauft und verkauft Raritäten. Wie viele Flaschen genau in seinem Tresorkeller lagern, will er nicht verraten. Hölzerne Weinkisten von Château Pétrus, einem Spitzenweingut aus dem Bordeaux, stapeln sich in einer Ecke, auf Kartons steht Sassicaia oder Masseto (beides Spitzenrotweine aus der Toskana). Eine Auslese der besten Weine der Welt. Wo welcher Wein genau zu finden ist in diesem Lager aus Kisten und Regalen, weiß nur Daniel Twardowski genau: »Das ist wie mit den Geburtstagen meiner drei Kinder. Die vergesse ich ja auch nicht«, sagt er und lacht. Seine Liebe zum Wein entdeckte Twardowski bereits zu Schulzeiten, als er mit seiner Familie aus Norddeutschland in den ältesten Weinort Deutschlands an die Mosel zog: Neumagen-Dhron. Er begann, sich für Riesling zu interessieren, der dort in den Steillagen wächst, las alles über Bordeaux und Burgunder, studierte Wein-Atlanten und tauchte immer tiefer ein in die Faszination Wein. »Das ein oder andere Glas habe ich natürlich auch getrunken.« An sein erstes Weininvest erinnert er sich noch ganz genau. In einem Kaufhaus im nahe gelegenen Trier stieß er auf ein Angebot: elf Flaschen Lafite Rothschild, Jahrgang 1994. Die zwölfte Flasche gab es gratis. Twardowski schlug zu. Verkaufte elf Flaschen und behielt eine für sich. Der Beginn einer heute wunderbaren Sammlung.

Eine Detailaufnahme in eines der Regale des Tresors zeigt einige der teuersten Weinflaschen der Welt.
In bester Gesellschaft: Pétrus und Château Margaux zählen zu den teuersten Weinen der Welt
Daniel Twardowski geht durch die Gänge seiner Weinsammlung und führt Inventur.
Inventur: Daniel Twardowski weiß genau, wo welche Weinflaschen lagern
Für alles, was lieb und teuer ist

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Auch während seines Studiums handelte er mit Weinen. Er fuhr zu Kellerauflösungen und kam mit dem Kofferraum vollgepackt mit Wein zurück. Über Kontakte und Mund-zu-Mund-Propaganda baute er sich über die Jahre ein Netzwerk auf, das so gut gespannt ist wie die Drahtanlagen in den Weinbergen. »Alles andere ist Betriebsgeheimnis«, sagt Twardowski. Von einem Ankauf erzählt er aber dann doch. Einmal machte er auf einem Flohmarkt in Trier ein besonderes Schnäppchen. Da stand inmitten von altem Trödel eine Flasche Pétrus, Jahrgang 1964. Twardowski zahlte dafür 50 Mark und fuhr noch am selben Abend in seinem klapprigen Corsa nach Hamburg, wo er die Flasche für 1000 Mark an einen Weinhändler weiter­ verkaufte. Die Freude über diesen Kauf ist Daniel Twardowski noch heute anzumerken, wenn er die Geschichte erzählt: »Meine Mutter und ich haben immer gerne getrödelt. Doch während sie vor allem Ramsch anhäuft, mache ich ein Geschäft daraus.«

Doch nicht immer laufen die Geschäfte glatt. Zufallstreffer wie damals auf dem Flohmarkt sind selten geworden. Und: Twardowski machte anfangs Fehler. Etwa, als er auf einer Weinauktion ein paar Flaschen eines renommierten Weinguts preisgüns­tig erstand und er erst im Nachhinein erfuhr, dass genau dieser Jahrgang schlecht war. »Aus solchen Fehlern habe ich gelernt«, sagt Twardowski, »jeder kann in Wein investieren, aber man muss sich vor­ her gut informieren und damit beschäftigen.«

»Die Preise bestimmt vor allem der Markt, nicht allein die Qualität«

Daniel Twardowski, Weinhändler

Dann kann Wein eine lukrative Wertanlage mit hohen Renditen sein. Je seltener und nachgefragter der Wein, desto teurer ist er. 2018 kamen bei einer Auktion in Genf 1064 Flaschen Wein des legendären französischen Winzers Henri Jayer für 30 Millionen Euro unter den Hammer. Das macht im Schnitt etwa 28.000 Euro pro Flasche. Auch Twar­dowski hat sich beizeiten eine Kiste Jayer gesichert. Allerdings nur vom vermeintlich eher schlechten Jahrgang 2000, wie er betont. Den Wert der 12er­ Kiste schätzt er dennoch auf etwa 50.000 Euro. Astronomische Summen verspricht sich auch das New Yorker Auktionshaus Christie’s. Dort soll dem­ nächst eine Flasche Pétrus versteigert werden, die 14 Monate auf der Internationalen Raumstation ISS reifte. Der Schätzpreis liegt bei umgerechnet 830.000 Euro. Kann Wein tatsächlich so viel Wert sein? Die Antwort fällt selbst Weinhändler Daniel Twardowski schwer: »Tausende Euro und mehr für eine Flasche Wein wären vielleicht gerechtfertigt, wenn ich danach vier Jahre länger lebe oder fliegen könnte«, sagt er und lacht. »Die Preise bestimmt aber vor allem der Markt, nicht allein die Qualität.«

Wie es um den Markt der sogenannten »Fine Wines« steht, zeigt der Index der Londoner Weinhandelsplattform »Liv­-ex«. Er beschreibt die Preisbewegung der gefragtesten Weine weltweit. Ähnlich wie bei Wertpapierbörsen arbeitet der Liv­-ex mit Indizes und Trends. Allein in den letzten fünf Jahren ist der Index um ein Drittel gestiegen, Investoren erreichten Zuwächse von bis zu zehn Prozent im Jahr. Der Liv-­ex verzeichnet vor allem die sogenann­ten Blue­Chips­Weine, also solche, die bereits sehr teuer gehan­delt werden. Wer heute in die Raritäten von morgen investieren möchte, sollte auf die Produkte junger, aufsteigender Winze­rinnen und Winzer setzen. Twardowski sieht großes Potenzial vor allem in deutschen Weinen, insbesondere in seiner Wahlheimat der Mosel. »Hier werden bereits trockene Rieslinge von Weltklas­se produziert. Wenn das in den nächsten Jahren so weitergeht, dann können wir uns hier alle anschnallen.«

Mit Hilfe eines speziellen Blaulichts wird die unsichtbare Tinte auf den Weinflaschen des Guts Coche-Dury gelesen.
Fälschungssicher: Das Weingut Coche-Dury nutzt unsichtbare Tinte, um die Echtheit der Flaschen zu gewährleisten
An den Seiten der offenen Weinkisten sind die Embleme der Weingüter vermerkt.
Raritäten: Selbst leere Kisten sind begehrt
Auf einem Serviertablett wurde eine Flasche Rotwein inklusive Glas mit verschiedenen Käsesorten angerichtet.
Investment zum Genießen: Der 1985 Château Palmer passt perfekt zur edlen Käseauswahl

Wertentscheidend sind neben der Nachfrage vor allem zwei Faktoren: die Echtheit des Weins und die Lagerung der Flaschen. Nicht ohne Grund hat Daniel Twardowski den Tresorkeller der Landeszentralbank gekauft. In zehn Meter Tiefe, umgeben vom Erdreich, herrschen konstante Temperaturen von elf bis zwölf Grad. Twardowski geht den schmalen Gang mit den Metallrega­len ab und überprüft das Hygrometer: »75 Prozent Luftfeuchtig­keit. Das ist genau richtig«, sagt er zu­frieden, »so trocknen die Korken nicht aus, und es ist auch nicht zu feucht. Das ist wichtig, damit sich die Eti­ketten nicht ablösen und sich keine Flecken bilden.« Und noch einen entscheidenden Vorteil gibt es: Der Keller ist einbruchsicher. So etwas wie im Hotel Kronenschlösschen kann Daniel Twardowski daher nicht passieren: Diebe brachen dort in die Schatz­kammer ein und raubten gezielt Weine im Handels­ wert von mehr als 200.000 Euro. Nicht der einzige Vorfall dieser Art. Manch einer vermutet sogar, dass eine Weinmafia hinter diesen Einbrüchen steckt und die Flaschen auf dem Schwarzmarkt ver­äußert. Um das zu verhindern und Hehlerware schnell identifizieren zu können, setzt das Weingut Romanée­-Conti zum Beispiel auf Abfüllnummern, die auf den Flaschen vermerkt sind. So können Auk­tionshäuser oder Importeure schnell erkennen, ob die angebotenen Weine als gestohlen gemeldet wur­den. Doch nicht nur Hehlerware, auch Fälschungen sind im Umlauf. Wie man die Echtheit überprüfen kann, zeigt Daniel Twardowski am Beispiel einer Flasche Meursault­-Perrières vom Weingut Coche­-Dury im Burgund. Preis: 1200 bis 1300 Euro. Twar­dowski hält eine kleine Taschenlampe an das Eti­kett, und wie von Zauberhand erscheint im Licht ein Zahlencode. »Coche­-Dury verwendet unsicht­bare Tinte, die nur unter ultraviolettem Licht sicht­bar wird«, erklärt er, »die Flaschen sind damit fast so fälschungssicher wie Banknoten.«

»Wenn wir einen Wein aus dem Geburtsjahr von jemandem öffnen, dann trinken wir ein Stück Geschichte«

Daniel Twardowski

Geld kann man nicht essen, aber in diesem Fall lässt sich das Invest immerhin trinken. Oder besser gesagt: genießen. »Wein ist ein Abenteuer und wird nie langweilig«, da ist sich Twardowski sicher, »und jede Flasche ist einzigartig.« Es ist ein Naturpro­dukt, das eine Geschichte erzählt. Vom Boden, der die Trauben genährt hat, vom Klima, in dem die Re­ben gewachsen sind und nicht zuletzt von den Win­zerinnen und Winzern, die den Wein in die Flasche gebracht haben. »Wenn ich mit Freunden zusam­mensitze und wir einen Wein aus dem Geburtsjahr von jemandem öffnen, dann trinken wir ein Stück Geschichte.«

Für Twardowski geht es daher nicht nur um Gewinne und hohe Ren­diten. Er lebt Wein und hat sich daher 2004 einen persönlichen Traum er­füllt, indem er seinen eigenen Wein­berg an der Mosel pflanzte. Und zwar mit Spätburgunderreben. Eine ungewöhnliche Entscheidung, wachsen doch auf den Schie­ferböden in den Steillagen entlang des Flusses vor allem Riesling­reben. Twardowski wollte das Terroir aber nutzen, um einen filigranen, leichten und trotzdem spannenden Rotwein zu pro­duzieren. Der Wein reift in Barriquefässern im Keller seines klei­nen Guts in Neumagen­-Dhron. Der Boden und die Schieferwän­de schimmern feucht, kühl ist es hier unten, und durch die unverputzten Steinmauern drückt sich bei Regen das Grundwas­ser. Ideale Bedingungen. Der Weinkritiker James Suckling sieht Twardowski bereits unter den fünf besten Rotweinwinzern Deutschlands. Weil er in seinem Weinberg am Dhroner Hofberg immer wieder Walnussschalen fand, die Krähen dort haben fal­len lassen, nannte er seinen Wein einfach Pinot Noix. Noix heißt auf Deutsch Nuss, wird aber genauso ausgesprochen wie Noir. 70 bis 90 Euro kostet eine Flasche. Gehandelt werden sie bereits für mehr als 100 Euro. Gerade hat er den Jahrgang 2017 abge­füllt. Alle 5000 Flaschen sind bereits verkauft. Vielleicht wird aus dem heutigen Pinot Noix eine Weinrarität von morgen? »Das war zwar nie meine Absicht, aber wenn es so kommt, dann freue ich mich natürlich.«

Eine Drohnenaufnahme zeigt die hügelige Landschaft der Weinberge Rheinland-Pfalz'.
Über den Reben: Im Dhroner Hofberg wächst der Spätbur­gunder von Twardow­ski

Daniel Twardowski läuft zwischen den Barriquefässern in seinem Weinkeller entlang.
Kühl gelagert: Der Pinot Noix reift in Barriquefäs­sern im Schieferkeller

   
Text
                    Verena Haart Gaspar
Fotos, Video   Studio Lêmrich

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