Boxer Nelvie TiafackBoxer Nelvie Tiafack

24.10.2023

»Wenn ich Gold gewinne, habe ich alles erreicht«

Von der übergewichtigen Naschkatze zum disziplinierten Sportler: Boxer Nelvie Tiafack träumt von einer Teilnahme an den diesjährigen Olympischen Spielen in Paris. Doch der Weg dorthin, war das Anstrengendste, das er je erlebt hat

Die Allianz und ihre Agenturen fördern Sportveranstaltungen auf allen Ebenen – vom örtlichen Jugendturnier bis zum Spitzensport. Denn Gesundheit, Inklusion und Teamgeist liegen einem Versicherer am Herzen. Seit 2021 ist die Allianz auch weltweiter Partner der olympischen und paralympischen Bewegungen. Das Engagement ist auf acht Jahre ausgelegt und baut auf der seit 2006 bestehenden Zusammenarbeit mit der paralympischen Bewegung auf.

Boxer Nelvie Tiafack

Jahrgang: 1999

Wohnort: Bergheim bei Köln

Beruf: Sportsoldat

Disziplin: Boxen, Superschwergewicht, Linksauslage

Heimatverein: SC Colonia 06

Größte Erfolge: Gold bei der Europameisterschaft 2022 in Jerewan und zweimal Bronze bei den European Games (zuletzt 2023)

Mein größtes Vorbild: Mama

Ritual nach Wettkampf: Seilspringen zum Auflockern

Getränk nach dem Sieg: ein großer Schluck Wasser 

»Ich als Boxer bei Olympia? Das hätte ich mir als Kind niemals träumen lassen. Als ich acht Jahre alt war, kam ich zusammen mit meiner Mutter aus Kamerun nach Deutschland. Für mich ein fremdes, sauberes, aufgeräumtes Land – mit ganz vielen Süßigkeiten. Ich fühlte mich wie im Paradies. Allerdings wurde mir genau das zum Verhängnis, denn ich nahm zu und wurde – man kann es nicht anders sagen – immer fetter. Anfangs spielte ich noch Basketball und Fußball, aber bei meinem Gewicht war das für meine Knochen und Gelenke auf Dauer nicht gut. Ich musste abnehmen. Das heißt, vor allem deshalb fing ich überhaupt erst mit dem Boxen an. An Leistungssport habe ich damals überhaupt nicht gedacht, bis mein damaliger Trainer mich davon überzeugte, ernsthafter an die Sache heranzugehen. Nach nur zwei Monaten stand ich dann im Ring, und es gab schnell keine geeigneten Gegner mehr für mich. Nicht unbedingt, weil ich so begabt war. Damals siegte ich eher dank meiner Wucht als durch meine Technik. Ich boxe in der Linksauslage: Das linke Bein steht vorn, die linke Hand führt und bestimmt unter anderem die Distanz. Die rechte, hinten liegende Hand ist die Schlaghand. Die Fäuste sind wichtig, aber mindestens genauso wichtig sind die Füße, denn die Kraft kommt von unten. Wenn sich der Gegner beispielsweise sehr viel bewegt, kann man nicht einfach umsetzen, was man geplant hat. Ist jemand schnellfüßig, macht es den Kampf gleich viel schwerer. 

Was ich am Boxen so liebe, ist, dass ich im Ring machen kann, was ich will. Ich bin selbst für meinen Erfolg verantwortlich. Das ist im Teamsport anders. Ich finde es außerdem gut, körperlich immer auf Topniveau zu sein und meine Leistungen durch entsprechendes Training immer wieder abrufen zu können.

Ich habe inzwischen auch einige Titel gewonnen, aber für Olympia zu trainieren ist noch einmal eine andere Sache. Der Weg dahin war für mich bisher das Anstrengendste. Und jetzt habe ich es tatsächlich geschafft, mich zu qualifizieren. Dass ich so weit gekommen bin, löst bei mir Euphorie aus. Dabei zu sein ist eine Belohnung für die jahrelange Arbeit. Es ist die größte Bühne der Welt und eine Chance, die man eben nur alle vier Jahre hat. Die Olympischen Spiele sind für mich das Höchste. 

Schiefgehen kann natürlich immer was, aber ich rechne mit einem Platz auf dem Podest. Wenn ich mit Gold zurückkomme, habe ich alles erreicht, was ich im Sport jemals erreichen wollte. Normalerweise bin ich weniger emotional, aber im Fall einer Goldmedaille könnte dann schon ein Tränchen fließen – aus Erleichterung und dem Wissen darum, dass ich mir einen Traum erfüllen konnte. Das schaffen nicht so viele Menschen.«

Protokoll Petra Benesch
Fotos Marina Weigl

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