Bergwachtmänner bergen Verletzten mit SchlittenBergwachtmänner bergen Verletzten mit Schlitten

Die Bergwachtmänner aus Krün bei der Bergung eines Verletzten mit dem Schlitten. Das erfordert viel skitechnisches Können

01.03.2022

Nur noch weiß vor Augen: Ein Tag mit der Bergwacht

Eine Zeichnung eines Skigebiets zeigt eine Vielzahl von Unfällen.
Unfallversicherung: Wer sie hat, fällt weicher

Was ist das Grundprinzip? Eine private Unfallversicherung schützt die versicherte Person vor den finanziellen Folgen eines Unfalls – egal, wann und wo sich dieser ereignet. Kernleistung ist eine einmalige Kapitalzahlung bei einer dauerhaften Beeinträchtigung (Invalidität). Zusätzlich möglich sind weitere Geldleistungen wie etwa eine lebenslange monatliche Rente nach einem schweren Unfall. Zudem gibt es auch Unterstützung durch Service- und Assistance-Leistungen.

Um welches Risiko geht es? Zwei Drittel aller Unfälle ereignen sich im Privatleben. Die gesetzliche Unfallversicherung gilt aber nur während der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg. Die private Unfallpolice greift hingegen immer – im Beruflichen, im Haushalt, in der Freizeit, beim Sport, in Deutschland wie im Ausland.

Wer sollte eine private Unfallversicherung abschließen? Sinnvoll ist sie für jeden. Besonders wichtig aber für diejenigen, die noch nicht einmal den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz haben – beispielsweise Rentner, Selbstständige, Hausmänner und -frauen. Auch für Kinder ist eine private Unfallversicherung ratsam.

Was kostet sie? Der Beitrag richtet sich nach dem Alter der versicherten Person, ihrem Beruf und dem Versicherungsumfang. Eine 25-jährige Einzelhandelskauffrau beispielsweise erhält einen Basisschutz für monatlich ab circa sieben Euro.

Welche Extras gibt es? Bei der Allianz erhält jeder Kunde ab der ersten Minute nach einem Unfall Unterstützung durch einen persönlichen Unfallberater. Zudem sind Zusatzbausteine wählbar. Im Rahmen der Akutleistung gibt es etwa schnell Geld bei Verletzungen, auch wenn diese komplett ausheilen.

Gut zu wissen: Wer weitere Allianz PrivatSchutz-Versicherungen abschließt, profitiert von bis zu 20 Prozent Rabatt auf die Beiträge.

Nicht nur in Zeiten von Corona ist am Berg große Vorsicht geboten: Glitzernder Schnee und Spaß am Sport scheinen den menschlichen Gefahrensinn zu trüben. Die Retter der Bergwacht erleben das an der Zugspitze täglich. Eine Reportage zwischen Winterglück und Absturz.

Der erste Kunde des Tages landet um zehn Uhr auf der Liege. Der kleine Junge ist blass, in der Seilbahn ist ihm schlecht geworden. Jetzt liegt er bei der Bergwacht auf 2.600 Meter Höhe und übergibt sich. »Das passiert manchmal«, sagt Hans-Jörg Krempl und zuckt mit den Schultern. Die Höhe, vor allem aber der schnelle Aufstieg mache vielen zu schaffen. Nur rund zehn Minuten braucht die neue Seilbahn für die knapp 2.000 Höhenmeter vom Eibsee auf die 2.943 Meter hohe Bergstation an der Zugspitze. Für manche ist das zu schnell.

Für die Familie aus der Nähe von München ist der Tag auf Deutschlands höchstem Berg vorbei, bevor er richtig begonnen hat. Denn wer hier oben Probleme bekommt, der müsse schnell runter, erklärt Krempl, dann sei meist alles wieder gut. Damit bei der Talfahrt nichts passiert, besorgt er in der Küche des Restaurants nebenan noch einen leeren Senfeimer und gibt ihn dem bleichen Burschen. Für alle Fälle.

Am Gletscher ist es heute eher ruhig. Wenn auch nicht ungefährlich. Der Wind weht kräftig über dem Zugspitzplatt, in Böen auch stürmisch. »93 km/h« stehen in den Aufzeichnungen des Wetterdienstes, die acht Grad unter null fühlen sich dramatisch kälter an. Frühmorgens hat es noch mal kräftig geschneit; zu spät, um die Abfahrten rechtzeitig zu präparieren. Neben den Pisten glänzt der frische Schnee. Doch für Tiefschneeabenteuer fehlt die Unterlage.

»Wer heute abseits der Pisten fährt, riskiert viel«

Kilian Weinert, Bergwacht Krün

»Wer heute abseits fährt, riskiert viel«, sagt Kilian Weinert von der Bergwacht Krün. Zu dicht liegen Steine und Felsen unter der Schneedecke. Trotzdem flechten die ersten Skifahrer ihre Spuren in den vermeintlich tiefen Schnee. Ein Glücksspiel. Die Zentrale der Bergwacht auf der Zugspitze sind zwei kleine Räume im Gebäude des Gletscherrestaurants »Sonnalpin«. Auf dem Weg zu den Toiletten und zur Bergstation der Zahnradbahn ist eine unscheinbare Tür. Dahinter: ein kleiner Behandlungsraum mit einer Liege. Im Flur ein Skiraum, von dem aus man in die gute Stube kommt: robuste Auslegeware, eine gemütliche Eckbank mit einem Wirtshaustisch. Die fünf von der Bergwacht können sich nicht alle gleichzeitig im Raum bewegen, dafür ist er zu klein.

Info: Die Bilder wurden vor Corona-Zeiten aufgenommen.
Links: An der Talstation Sonnenklar – auch von diesen Skiläufern wird wieder der ein oder andere die Piste gen Tiefschnee verlassen. Rechts: In der Stube der Bergwacht warten Hans-Jörg Krempl, Georg Schober und Christoph Hefter (v. li.) auf den nächsten Einsatz

Über dem kleinen Schreibtisch steht auf einem Bord das wuchtige Funkgerät, daneben an der Wand Einsatzpläne, Telefonlisten, detaillierte Karten des Gebiets rund um die Zugspitze. Und neben der Tür ein Bett, das heute als Garderobe herhalten muss. Das Beste hier oben ist der Blick. Das Fenster geht nach Westen, vorbei an der Kapelle Mariä Heimsuchung schaut man auf den Schneeferner mit den vier Gletscherabfahrten.

Die Bergwachtstation an der Zugspitze ist jeden Tag in der Wintersaison besetzt. Unter der Woche versehen zwei hauptamtliche Mitglieder der Skiwacht hier ihren Dienst. Das sind ausgebildete Bergwachtmänner und -frauen, die von der Stiftung Sicherheit im Skisport bezahlt werden. Am Wochenende und an Feiertagen übernehmen die ehrenamtlichen Bergretter, unterstützt von einem hauptamtlichen Kollegen. Heute ist das Hans-Jörg Krempl, 57, seit 40 Jahren bei der Bergwacht. Seit drei Jahren ist er zusätzlich noch am Wochenende bei der Skiwacht. Das muss man daheim auch erst mal erklären.

Klicken Sie durch die Zahlen: Wissenswerte Fakten 

Die Bereitschaft des Tages kommt von der Bergwacht Krün, die mit den Bergwachten von Garmisch und acht weiteren Ortsstellen eine Dienstgemeinschaft bildet. Die jungen Männer kennen sich seit ihrer Kindheit. Und eigentlich hätten sie auch ohne die Bergwacht genug zu tun. Kilian Weinert, 25, ist Betriebsprüfer beim Finanzamt in München. Christoph Hefter, 32, unterrichtet am Gymnasium in Murnau Mathematik und Physik. Georg Schober, 34, prüft für den TÜV Süd weltweit Seilbahnen, und sein Bruder Martin, 30, führt mit den Eltern das Hotel der Familie in Krün. Zum ersten Dienst der Saison treffen sie sich auf der Zugspitze, das ist Tradition.

»Mein Opa war bei der Bergwacht, mein Vater auch«

Martin Schober, Bergwacht Krün

Der erste Skitag auf der Zugspitze beginnt gemächlich – trotz Neuschnee, Wind und Kälte. Lehrer Hefter sitzt am polierten Holztisch und korrigiert die Physik-Schulaufgabe seiner achten Klasse. Die Schober-Brüder Martin und Georg sind mit Ski auf Kontrollfahrt. Sie checken, ob die Akjas, die Wannenschlitten zum Transport der Verletzten, wie vorgesehen an den Bergstationen der Lifte und Seilbahnen bereitstehen. Und sie überprüfen, ob der Hubschrauberlandeplatz unterhalb des Sonnenkarlifts ausreichend fest planiert und freigeräumt ist. Sonst könnte der Helikopter nicht sicher stehen und würde die Umgebung in einen Schneesturm tauchen.

Drei Tage pro Saison Skidienst, dazu weitere Dienste muss jeder Bergwachtmann leisten. In Krün kommen zehn Abende für Aus- und Fortbildung dazu. Und natürlich die Notfälle im Alltag. Wenn sie gerufen werden, dann lassen sie alles stehen und liegen. »Mein Opa war bei der Bergwacht, mein Vater auch«, erzählt Martin Schober. Die Saison im Hotel geht erst kurz vor Weihnachten los, also hat er jetzt, Mitte November, noch Zeit, seinen Dienst abzuleisten. Am Berg sei er eh gerne, »da ist das eine gute Gelegenheit, etwas zurückzugeben«.

Info: Der Bilder wurden vor Corona-Zeiten aufgenommen.
Links: Allzeit bereit – in einer Garage direkt an der Piste lagern drei Bergungsschlitten. Rechts: Georg Schober und seine Kollegen der Bergwacht Krün wissen, wie man im Ernstfall damit umgeht

Das Dienstgebiet der 54 Bergwachtmänner und -frauen aus Krün umfasst das Soiern-Gebiet, den östlichen Teil des Estergebirges, die Umgebung von Krün und Wallgau und im Winter die Loipen im Oberen Isartal und die Skirettung von Garmisch-Partenkirchen. Die Ausbildung dauert mindestens zwei Jahre, oft aber deutlich länger. Je nachdem, wie oft ein Anwärter Zeit für all die Kurse und Übungen hat. »Die Bergwacht ist ein Ehrenamt, das viel verlangt«, sagt Hans-Jörg Krempl. Allein für die Sanitätsausbildung sind es 90 Stunden. Und am Berg müssen die Kandidaten schon vorher topfit sein, um durch die Eingangsprüfung zu kommen.

»Viele Bergsteiger überschätzen ihre Fähigkeiten«

Martin Schober, Bergwacht Krün

Im Winter etwa braucht es sehr gute Skifahrer, um den Akja sicher den Berg hinunterzubringen. Der Bergeschlitten wiegt mit Patient schnell mal 120 Kilo, ein Sturz der Retter könnte schlimm enden. Andererseits funktioniert alles wortlos, wenn die Teams eingespielt sind. »Die gute Ausbildung gibt Sicherheit«, sagt Kilian Weinert. Denn gerade rund um Garmisch-Partenkirchen gibt es immer wieder schwierige Einsätze – vor allem im Sommer. »Den Jubiläumsgrat hat nicht jeder im Kreuz«, sagt Martin Schober, »viele Bergsteiger überschätzen ihre Fähigkeiten.«

Immer wieder rücken sie aus, um verletzte, dehydrierte, unterkühlte oder verirrte Bergsteiger zu bergen. Im Skigebiet dauert es vom Alarm bis zum Unfall zwischen 10 und 15 Minuten. Im Sommer können es am Berg auch vier bis fünf Stunden werden. Je nachdem, wo das Opfer liegt und ob es gleich gefunden wird. »Die Leute wissen ja heute oft gar nicht mehr, wo sie eigentlich sind«, sagt Hans-Jörg Krempl, »wir haben oft nur grobe Angaben und müssen dann suchen.« Insgesamt kommt die Dienstgemeinschaft auf rund 800 Einsätze im Jahr. In ganz Bayern rückt die Bergwacht etwa 12.000-mal aus. »Wenn das Knie kaputt ist, dann ist es kaputt«, sagt Christoph Hefter, »wir wissen meist, wo wir suchen müssen. Sobald der Patient gefunden ist, transportieren wir ihn ab.«

»Du weißt nie, was auf dich zukommt«

Hans-Jörg Krempl, Bergwacht Krün

Rund 580 Euro kostet ein normaler Einsatz auf der Skipiste. Nach Lawinenabgängen oder für aufwendige Suchaktionen werden 1.125 Euro fällig. Denn das Material, die Ausbildung, der Fuhrpark haben ihren Preis. Ein Hubschrauber kostet dazu noch einmal 60 bis 120 Euro dazu. Pro Flugminute. Bei einer Rettung, etwa bei einem Herzinfarkt, zahlt die Krankenkasse. Bei einer Bergung, wenn sich Wanderer verlaufen, erschöpft sind oder nicht mehr weiterkommen, erhalten sie hinterher die Rechnung. Gut, wenn man dann eine private Unfallversicherung hat oder Mitglied im Alpenverein ist. Denn der übernimmt Bergungskosten bis zu 25.000 Euro.

Keinen Cent bekommen die Bergwachtler. Obwohl sie nicht selten viel riskieren. Je nachdem wie der Wetterbericht aussieht oder wie voll es auf der Zugspitze ist. »Du weißt nie, was auf dich zukommt«, sagt Krempl. »Manchmal haben wir tagelang nichts, dann sind wir in zwei Stunden fünf Mal im Einsatz.« Abenteuerlustige Touristen, die ohne Winterkleidung unterwegs sind, Stürze oder Schwächeanfälle. Gegen halb vier gehen die Krüner heute auf Schlussstreife. Sie fahren die Pisten des Skigebietes ab, damit niemand am Berg vergessen wird. Nach mehr als zwölf Stunden, die sie dann unterwegs waren, geht es mit der letzten Seilbahn nach unten und von dort nach Hause. Falls sie auf dem Heimweg nicht noch einkehren und auf den unfallfreien Tag anstoßen.

Skifahrer blicken auf Piste ins Tal hinab
Info: Der Bilder wurden vor Corona-Zeiten aufgenommen.
Die Männer der Bergwacht müssen sehr viel im Blick haben. Immer wieder beobachten sie Übermut und Unvernunft

Text    Ole Zimmer
Fotos  Oliver Fiegel

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