19.08.2021

Ab an die frische Luft: Fünf Sommerspiele im Test

Slackline, Spikeball, Twistball, Kubb oder Strand-Pingpong klingt vielleicht nicht nach der ganz großen Sportbühne. Stattdessen steht der Spaß im Vordergrund. 1890-digital-Autorin Chelsea Walpert hat die Park- und Gartenspiele 2022 eröffnet. Ein moderner Trend-Fünfkampf mit lauter Siegern

Kubb: Schach nach Wikingerart

Zu den Gold-Favoriten gehört für mich kein Modesport, sondern dieser Klassiker: Kubb, auch Wikingerschach genannt. Das Vergnügen hat seine Wurzeln in Skandinavien und erfordert Koordination, Präzision und taktisches Geschick. Um zu spielen, werden zehn quaderförmigen Kubbs (= Holzklötze) gebraucht, dazu sechs Wurfhölzer, vier Begrenzungsstäbchen und ein König.

Am besten spielt es sich auf Rasen, Sand oder Kies: Mit den Begrenzungsstäbchen wird ein fünf mal acht Meter großes Feld abgesteckt. Auf den kürzeren Seiten (Grundlinie) werden jeweils fünf Kubbs im gleichen Abstand aufgestellt. Der König kommt in die Mitte des Feldes. Ziel ist es, mit den Wurfhölzern die gegnerischen Kubbs und zum Schluss den König zu treffen. Wird dieser zu früh im Spiel umgeworfen, verliert die Mannschaft, die ihn zu Fall gebracht hat.

Gerade für größere Gruppen ist Kubb ideal, bis zu zwölf Personen können mitspielen. Wer selbst wenig trifft, kann sein Team anfeuern – und mit Taktik-Ratschlägen glänzen (oder nerven). Ich selbst spiele Kubb schon seit Jahren und kann es nur weiterempfehlen, da die Spielzüge schnell gelernt sind. Ein Set kostet zwischen 15 und 50 Euro. Hochwertige Wurfhölzer liegen angenehmer in der Hand und sind haltbarer als Billigware. Am besten im Spielwarenhandel anfassen statt online bestellen.  

Beliebter Wurfspaß: Unsere Autorin ist bereits seit Jahren begeisterte Kubb-Spielerin
Die Bewertungsskala für Kubb: Kosten: 3 von 5 Sternen, Transport: 4 von 5 Sternen, Aufbau: 4 von 5 Sternen, Einstieg ins Spiel: 4 von 5 Sternen, Spaßfaktor: 3 von 5 Sternen, Schwierigkeit: 3 von 5 Sternen, Familienfreundlichkeit: 4 von 5 Sternen, Eignung für Gruppen: 5 von 5 Sternen, Weiterempfehlung: 4 von 5 Sternen.
Eine 20 steht groß mittig und das Prozent hochkant rechts
Slackline: Immer im Gleichgewicht

Früher unter dem Namen Seiltanzen bekannt, gehört die Slackline zu den neuen Trendsportarten. Was man braucht? Einfach zwei Bäume oder zwei Bodenanker, eine sogenannte Ratsche als Spannelement und natürlich die Slackline. Ein Set kostet 30 bis 100 Euro.

Für den Anfang sollte die Slackline auf kurze Distanz und in niedriger Höhe gespannt werden. Acht bis zehn Meter auf Kniehöhe sind für Anfänger schon recht ambitioniert, wie ich selbst feststellen musste. Bevor man die ersten zaghaften Schritte nach vorn balanciert, sollte zunächst das Gleichgewicht trainiert werden.

Schon das Stehen auf dem Band stellt sich als schwieriger Drahtseilakt heraus, und ich wackle hin und her. An einen stabilen Vorwärtsgang ist zunächst nicht zu denken, nach zwei unruhigen Schrittchen ist Schluss. Mir persönlich fehlt für diese Sportart die Motivation, regelmäßig zu üben und das Gleichgewicht zu stärken. Wer mehr Geduld und Ehrgeiz mitbringt, kann es mit diesen Tipps probieren: 

Doch hier ein paar Tipps für alle, die mehr Geduld mitbringen: 

  • Oberkörper aufrecht halten
  • Knie leicht beugen
  • Füße gerade auf das Band stellen
  • Arme in »Hände-hoch«-Position bringen
  • Ans Ende der Slackline schauen 
  • Ausgleichsbewegungen erfolgen durch Arme und Hüfte

Ich möchte ein Gartenspiel sofort meistern können – das ist bei der Slackline unmöglich. Sie erfordert Training und scheint eher etwas für ernsthafte Sportler und Artisten zu sein. Wer es zur Könnerschaft bringt und seine Künste im Park vollführt, erntet zu Recht Bewunderung. Für mich ist die Slackline eher ein Zuschauersport mit Olympia-Potenzial.   

Balanceakt: Die Slackline erfordert eine Menge Körpergefühl
Junger Mann sitzt mit Hund und Laptop auf dem Schoß auf dem Fußboden in seiner frisch bezogenen Wohnung.
Spikeball: Ins Netz gegangen

Die Regeln erinnern entfernt an Beachvolleyball, das seit 1996 zum Programm von Olympischen Spielen gehört: Auch beim Spikeball treten zwei Zweier-Teams gegeneinander an. Allerdings befinden sich alle vier auf dem gleichen Spielfeld – nämlich 360 Grad um das Netz. Bewegung und Action sind dabei garantiert, und schnell merke ich, dass das Ganze ziemlich anstrengend ist. Jedes Team hat pro Angriff drei Ballkontakte, egal mit welchem Körperteil. Auch weniger Berührungen sind erlaubt. Spätestens mit dem dritten Kontakt muss der Angriff erfolgen. Das heißt: Der Ball muss ins Netz, springt von dort ab, und das gegnerische Team übernimmt. Wenn es ihm gelingt, bevor der Ball den Boden berührt! Gespielt wird bis zu einem Punktestand von 15 oder 21.

Von außen betrachtet sieht das recht einfach aus, doch sobald ich selbst am Zug bin, muss ich erst das richtige Gefühl entwickeln. Denn der Ball muss mit der richtigen Intensität getroffen werden, um auf dem Netz und nicht im Nirgendwo zu landen. Tipp: nicht zu stark schlagen. Schnell habe ich mit meiner Spielpartner einen Rhythmus gefunden, und das Spiel macht Spaß. Ein Set kostet zwischen 20 und 60 Euro.

Trendspiel: Für ein erfolgreiches »Spikeball«-Spiel müssen die Mitspieler vor allem Treffsicherheit beweisen
Mann steht auf einer wackligen Leiter und streicht eine Wand
Twistball: Eine runde Sache

Twistball ist ein Reaktionsspiel für ein bis zwei Spieler – und eignet sich somit nicht für Gruppen. Dafür ist es unkompliziert im Aufbau: einfach Stahlrohr oder Metallstange in den Boden stecken, den Ball mit der Schnur daran befestigen, und schon geht’s los. Das rasante Spiel macht nicht nur Spaß, sondern fördert gleichzeitig Geschicklichkeit und Ausdauer, ist aber nicht so anstrengend wie zum Beispiel Spikeball.

Mein Tipp für alle, die Twistball doch in größerer Runde spielen wollen: einfach ein Turnier veranstalten, die Gewinner der einzelnen Runden gegeneinander spielen lassen und am Ende den Meister oder die Meisterin feiern. Ein gutes Set bekommt man für circa 25 Euro.

Ein Kind spielt mit seinem Großvater Swingball.
Für Jung und Alt: Twistball macht mit jedem Alter Spaß
Strand-Pingpong: Spiel, Satz und Sieg

Günstig, einfach zu transportieren und leicht erklärt: Für Strand-Pingpong, auch Beachball genannt, benötigen die Spieler lediglich zwei Schläger und einen Ball. Es lässt sich fast überall spielen: ob am Strand, am Baggersee oder im eigenen Garten. Vom lockeren Zuspiel bis zum harten Wettkampf ist alles möglich. Für Letzteren sollten folgende Regeln beachtet werden: Das Spielfeld beträgt 7 x 5,50 Meter, und das Netz ist 1,50 Meter hoch. Punkte werden wie beim Tennis gespielt. Seitenwechsel und Tiebreaks funktionieren ebenfalls auf dieselbe Weise. Aufgeschlagen wird diagonal auf die Seite des Gegners.

Meine Freundin und ich spielen die lockere Variante und tasten uns langsam an Wettkampf-Niveau heran. Sehr langsam. Denn schlägt man zu sanft, fällt einem der Ball direkt vor die Füße. Schlägt man zu hart, geht er weit über die Spielpartner hinweg ins Aus. Nach einiger Zeit finden wir aber hinein und schaffen bis zu 15 Zuspiele – Medaillen-Favoritinnen wären wir damit sicher noch nicht. Ein Spielset kostet zwischen 6 und 30 Euro.

Vom Strand ins Grüne: Auch ohne Meerblick kann Strand-Pingpong bei unserer Autorin punkten

Alle fünf getesteten Spiele sollten auf ebenem Boden mit ausreichendem Abstand zu Hindernissen, Wegen und Straßen gespielt werden. Es klingt vielleicht wenig trendig, ist aber eine Tatsache: Rund 70 Prozent aller Unfälle ereignen sich in der Freizeit – sei es zu Hause oder beim Sport. Ratsam ist es auch, das Feld vor Spielbeginn von herumliegenden spitzen Gegenständen zu befreien. Dann macht der moderne Fünfkampf auch barfuß richtig Spaß!

   
Text
   Chelsea Walpert
Foto   privat(5), veryan dale/Alamy Stock Photo

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