Eine Gruppe von Männern und eine Gruppe von Frauen sitzen sich auf einer Schaukel gegenüber.Eine Gruppe von Männern und eine Gruppe von Frauen sitzen sich auf einer Schaukel gegenüber.

29.07.2021

Gender Pension Gap: Ärmer im Alter als gedacht

Kaum eine Frau weiß, dass sie deutlich weniger Einkommen im Alter hat als ein Mann. Das ist das Ergebnis einer Allianz Studie. Allianz Vorständin Laura Gersch erklärt im Interview, wie der Gender Pension Gap zustande kommt und was Frauen und Männer dagegen tun können

Zur Person

Eine Nahaufnahme von Laura Gersch

Laura Gersch ist Finanz­vorständin der Allianz Versicherungs-AG.

 

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Frau Gersch, Allianz Leben hat in einer Studie Frauen zum Gender Pension Gap befragt. Was hat Sie da am meisten überrascht?
Rund 80 Prozent der Frauen in Deutschland ist gar nicht bewusst, dass es einen strukturellen Unterschied in der Vorsorge von Frauen und Männern gibt. Deutschland hat laut OECD mit 46 Prozent einen der höchsten Gender Pension Gaps der Industrieländer. Der Gender Pension Gap ist eine Kennzahl, die den relativen Unterschied des Einkommens im Alter von Frauen und Männern beschreibt. Und der Pension Gap liegt deutlich über dem Gender Pay Gap, dem Unterschied im Gehalt für die gleiche Tätigkeit. Für mich heißt das: Wir müssen die Unterschiede in der Altersvorsorge genauso thematisieren wie die Einkommensunterschiede.

Und vermutlich auch aufzeigen, dass diese Unterschiede im Alter steigen?
Auf jeden Fall, in der Studie schätzten die Frauen den Gender Pension Gap auf durchschnittlich nur 25 Prozent. Der Pension Gap ist mit 46 Prozent jedoch deutlich größer. Ohnehin wissen die wenigsten Frauen und Männer, wie hoch ihr Einkommen im Alter ist. Die Auswirkungen dieser Unwissenheit sind aber besonders für Frauen sehr gravierend.

Wie kommt es zu dieser großen Lücke bei der Rente?
Der geringere Verdienst von Frauen hat natürlich Auswirkungen. Außerdem unterbrechen Frauen ihre Erwerbsarbeit häufiger für Kinder und Familie und übernehmen im Bedarfsfall die Pflege von Angehörigen. Dadurch zahlen sie im Schnitt zwölf Jahre weniger in die gesetzliche Rente ein als Männer. 66 Prozent der Mütter arbeiten zudem nach der Elternzeit in Teilzeit. Bei den Männern sind es nur 6 Prozent. Auch das Ehegattensplitting verstärkt das Einkommensgefälle und wurde in einigen Ländern wie zum Beispiel Schweden oder Großbritannien vor einiger Zeit abgeschafft. Mit dem Effekt, dass danach mehr Frauen erwerbstätig wurden.

Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf diese Entwicklung?
Gerade in Zeiten von Corona stellen Frauen die eigenen Bedürfnisse wieder stärker hinter die der Familie zurück. Was das für sie langfristig bedeutet, damit setzen sich die wenigsten auseinander. So verstärkt sich eine Entwicklung, die schon vor der Pandemie ein drastisches Ungleichgewicht in der Vorsorge fürs Alter zur Folge hatte.

Sollten Frauen mehr Vollzeit arbeiten, um genauso vorzusorgen wie Männer?
Es ist eine ganz private Entscheidung, wie man lebt und arbeitet. Ich liebe es, Mama von zwei kleinen Jungs zu sein, und ich bin von Herzen gerne Vorständin bei der Allianz. Vor allem macht es mich glücklich, beides gleichzeitig sein zu können. Leider keine Selbstverständlichkeit. Wer viel arbeitet, wird kritisiert. Wer zu Hause bleibt, auch. Also am besten das tun, was für die eigene Familie richtig ist. Mir ist nur wichtig, dass bei allen Entscheidungen auch die langfristigen Folgen mitgedacht und ausgeglichen werden. Mein Herzenswunsch an alle Frauen und natürlich auch Männer ist: Setzt euch mit eurer finanziellen Situation auseinander. Macht gemeinsam einen Plan, sorgt vor, denkt an später. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass Frauen im Alter genauso gut abgesichert sind wie Männer!

Text               Verena Haart Gaspar
Illustration  Veronika Kieneke
Foto               Allianz

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