Corona-Pandemie: So geht es unseren FirmenkundenCorona-Pandemie: So geht es unseren Firmenkunden

10.12.2020

5 Unternehmer berichten: So war unser Corona-Jahr

Die Corona-Pandemie trifft viele Firmen hart. Hier blicken fünf Chefs zurück auf ein Jahr im Krisenmodus – vom Vorstandsvorsitzenden eines Fußball-Bundesligisten bis zu den Gründerinnen eines Backwaren-Startups. Ein Hoffnungsschimmer: Nicht alle klagen über Verluste.  

COVID-19 beeinflusst ihr Geschäft: Hans Zacherl, Geschäftsführer bei MEDI Kabel (o.r.), Geschäftspartner Vedad Suljic und Muhamed Dendic, Geschäftsführer der SharkAgency (o.l.), Thomas Hitzlsperger, Vorstandsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG (m.r.), Anna Kukla und Melanie Haizmann, Gründerinnen von Hasenbrot GmbH (u.l.), David Schmidt, Schreiner mit eigenem Betrieb (u.r.)

»Als Geschäftsführer muss ich einen kühlen Kopf bewahren«

Hans Zacherl, 53, Geschäftsführer beim bayerischen Kabelgroßhändler MEDI Kabel
Die Welt dreht sich weiter: Geschäftsführer Hans Zacherl muss die Firma am Laufen halten

»Als im Frühjahr 2020 feststand, dass es zum Lockdown kommt, haben wir innerhalb von 24 Stunden die Hälfte der Verwaltungsangestellten ins Homeoffice geschickt. Im Lager haben wir extra ein Zwei-Schichten-System eingeführt, damit sich die Mitarbeiter beim Schichtwechsel nicht begegnen. Ich selbst war fast neun Wochen im Home­office. 

Da wir bei MEDI Kabel seit Jahren komplett papierlos arbeiten, fiel uns die Umstellung nicht schwer. Nur die Videokonferenzen waren neu. Dafür haben wir Konferenzräume umgebaut und in schnelles Internet investiert. Das digitale Arbeiten klappt mittlerweile reibungslos. Da es unter unseren Mitarbeitern nur ein paar Corona-Verdachtsfälle gab, die sich nicht bestätigt haben, mussten wir glücklicherweise keine Abteilungen schließen.

Finanziell war zunächst kein Rückgang spürbar, da etwa in der Medizintechnik die Nachfrage nach unseren Produkten stieg. Ab Pfingsten wurden die Aufträge aber drastisch weniger. Wir haben die Vorbereitungen für Kurzarbeit getroffen, um unsere Mitarbeiter zu halten – sollten die Zahlen weiter zurückgehen.

Ich erinnere mich noch gut an die Bankenkrise von 2008. Die hat bei MEDI Kabel genau zwölf Monate gedauert, sieben davon waren die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Im Unterschied zu damals betrifft Corona aber nicht nur kapitalstarke Länder, der Stillstand kommt überall an. Natürlich denke ich oft darüber nach, was der Firma damals geholfen hat. Zum Beispiel ist MEDI Kabel inzwischen sehr breit aufgestellt, beliefert Familienunternehmen genauso wie globale Großbetriebe und ist nicht mehr so abhängig von der Maschinenbau- und Automobilbranche.

Als Geschäftsführer muss ich einen kühlen Kopf bewahren und versuchen, keine rein emotionalen Entscheidungen zu treffen. Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis ich weiß, ob sie richtig waren.«

»Es geht nicht nur um 30 sicher gut bezahlte Fußballprofis«

Thomas Hitzlsperger, 38, Vorstandsvorsitzender VfB Stuttgart 1893 AG

»Niemand im Profifußball spielt gerne in einem leeren Stadion. Es war aber eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um irgendwann weitermachen zu können. Es wäre fatal gewesen, wenn wir noch Monate nicht hätten spielen können. Die Einnahmen aus einem regulären Heimspiel belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro, mit den Fernseheinnahmen können wir auch nicht final kalkulieren, da diese aufgrund der Situation jeweils erst nach einem absolvierten Spieltag ausgeschüttet werden.

Im Vergleich zur ursprünglichen Planung haben wir mehr als zehn Prozent vom Budget der Lizenzmannschaft gekürzt und dazu einen zweistelligen Millionenbetrag bei den Transferausgaben eingespart. Hier kommt uns sehr entgegen, dass wir schon länger stärker auf junge, entwicklungsfähige Spieler setzen. Man darf auch nicht vergessen, dass es nicht nur um 30 sicher gut bezahlte Fußballprofis geht, sondern dass das Unternehmen VfB Stuttgart noch mehr als 200 weitere Mitarbeiter beschäftigt.

Dank vorübergehender Kurzarbeit, konsequenter Einsparungen und großer Solidarität untereinander haben wir die Krise bislang ganz gut überstanden – aber wir sind eben noch nicht durch. Ganz nebenbei konnten wir neue Formen des Arbeitens, beispielsweise im Homeoffice, etablieren. Generell führte Corona zu einer stärkeren Digitalisierung unserer täglichen Arbeit.«

Der Ball rollt wieder: Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger muss sparen, um seinen Verein durch die Krise zu bringen

»Wir glauben weiter an unsere Geschäftsidee«

Anna Kukla, 35, Gründerin der Hasenbrot GmbH
Sie leben Multitasking: Anna Kukla (li.) und Melanie Haizmann haben während des ersten Lockdowns daheim ihre Kinder betreut und ein Start-up aufgebaut

»Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, könnte man unsere zuckerfreien Mini-Muffins für Kleinkinder schon seit Juli bestellen – frisch vom Bäcker, auf Trockeneis per DHL-Express verschickt. Meine Geschäftspartnerin Melanie Haizmann und ich wollten nach den Osterferien im April 2020 eine Crowdfunding-Kampagne starten, bei der wir Muffins im Wert von 8.000 Euro verkaufen wollten. Danach wollten wir uns unser erstes Gehalt auszahlen. Und hätten gewusst, ob die Leute unser Produkt interessiert und sie dafür Geld ausgeben wollen. Nun kam alles anders.

Die Kampagne haben wir gestoppt, da sich während des Lockdowns garantiert keiner für gesunde Muffins interessiert hätte. Dadurch bekamen wir natürlich keine mediale Aufmerksamkeit, der Gründerzuschuss wurde nicht verlängert, da Hasenbrot ja keinen Umsatz machte. Wir haben jetzt Angst, dass die Schulen und Kitas wieder schließen. Denn dann müssten wir wieder komplett die Betreuung unserer kleinen Kinder übernehmen, könnten nicht stundenlang Ware verpacken und verschicken – und die Muffins würden in der Tiefkühltruhe vergammeln.

Daher haben wir umgeplant: Seit September verschicken wir über unseren Onlineshop eine Backmischung, die unsere Kunden mit einigen Zutaten aus dem Vorratsschrank ergänzen müssen. Die fertigen Muffins wollen wir zwar auch irgendwann noch produzieren, aber dafür möchten wir dann auch Verkostungen anbieten, zum Beispiel in Kindercafés. Solche Veranstaltungen wird es in absehbarer Zeit aber nicht geben. Melanie und ich sind froh, dass wir die Möglichkeit haben, freiberuflich noch in unseren ehemaligen Berufen zu arbeiten. Aber wir sind von Hasenbrot überzeugt: Das ist was Tolles. Wir machen weiter.«

»Wir haben stark von der Corona-Krise profitiert«

Muhamed Dendic, 24, Geschäftsführer der SharkAgency

»Die SharkAgency ist eine Agentur für digitales Marketing. Wir machen alles – vom Onlineauftritt bis zur App-Entwicklung. Und wir haben stark von der Corona-Krise profitiert, denn die digitalen Medien werden nun viel mehr akzeptiert und von öffentlichen Institutionen gefördert. Dadurch hat auch meine Agentur einen Zuwachs erfahren.

Schon als die Krise begann, haben wir unseren Kunden empfohlen, auf Onlineverkauf oder -lieferung zu setzen. Eine Kundin konnten wir sogar vor der Insolvenz retten: Sie besitzt ein bosnisches Restaurant und hat die Schließung der Gastronomie nur überstanden, weil sie einen Lieferservice angeboten hat. Wir haben für sie einen Lieferwagen gestaltet, der sah aus wie ein riesiges Grillhaus auf Rädern. Und wir haben ihre Webseite neu konzipiert. Dadurch konnte sie zumindest ihre Fixkosten decken. Das war schön zu sehen. Denn was sich diese Kundin zehn Jahre lang aufgebaut hat, hätte innerhalb weniger Monate weg sein können.

Wir mussten die Art, wie wir arbeiten, kaum verändern. In der Onlinebranche ist Homeoffice schon immer üblich, denn wir sind digitale Nomaden: Das heißt, wir können überall arbeiten, wo es eine Internetverbindung und einen Laptop gibt. Kundentermine konnten zwar nicht Face to Face stattfinden, aber viele wollen auch in Zukunft bei Videokonferenzen bleiben. Das Modell lohnt sich nämlich für beide: Die Anfahrt entfällt, man spart Zeit und Geld – und schont die Umwelt.«

Alles im Griff: Muhamed Dendic (re.) und sein Geschäftspartner Vedad Suljic bekommen seit der Krise mehr Aufträge

»Unser Problem war, dass wir mit der Arbeit nicht nachkamen«

David Schmidt, 38, Schreiner mit eigenem Betrieb
Er hat gut lachen: Schreiner David Schmidt ist über Monate ausgebucht – ganz normal in seiner Branche

»Geschäftlich habe ich die Krise bisher ziemlich gut überstanden. Als im Frühjahr die Ausgangsbeschränkungen verkündet wurden, herrschte zwar kurz eine leichte Verunsicherung in der Bevölkerung. Die erreichte auch unsere Kunden: Sie legten Aufträge zeitweise still oder stornierten. Ich meldete für meinen Betrieb auch Kurzarbeit an, nutzte sie aber nur vier Wochen lang. Denn als Schreinerei haben wir so viel zu tun, dass wir im Gegensatz zur Gastronomie nicht lange etwas von der Krise merkten.

Das Problem war eher, dass wir mit der Arbeit nicht nachkamen. Handwerker sind ja ohnehin fast immer ausgebucht, das war schon vor der Krise so. Schwierig ist für uns, dass die Zulieferer teilweise nicht liefern können oder selbst in Kurzarbeit sind. So bekommen wir manche Materiallieferungen acht Wochen später als erwartet. Dadurch verzögert sich unsere Arbeit. Meine größte Befürchtung ist, dass den Leuten das Geld ausgeht, wenn sie noch länger in Kurzarbeit sind, und sie sich nicht mehr so viel leisten können.

Was meine Arbeit aber viel mehr belastet hat, war im Frühjahr die Schließung der Kindergärten. Da meine Frau bei mir im Büro arbeitet, nahmen wir unsere sechsjährige Tochter mit in die Schreinerei. Einerseits ist das ein Vorteil, weil das nicht in jedem Job geht. Andererseits hat so keiner von uns wirklich viel geschafft, denn wir haben abwechselnd gearbeitet und mit ihr gespielt. Ein Mitarbeiter von mir konnte nur jeden zweiten Tag arbeiten, da er sich abwechselnd mit seiner Frau um das Kind gekümmert hat.«

Text    Sandra Michel
Fotos  Sebastian Berger, Anne-Sophie Stolz

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