Hinter einem reibungslosen Spieltag in der Allianz Arena steckt weit mehr als eine funktionierende Stromversorgung. Bei einer Backstage-Tour erfahren wir, wie Versicherungsprofis Risiken erkennen, bewerten und minimieren.
Zur Person

Uwe Stadler ist Head of Operations der Allianz Arena München und verantwortlich für den technischen Betrieb des Stadions. Mit seinem Team sorgt er dafür, dass an Spiel- und Veranstaltungstagen alle technischen und infrastrukturellen Abläufe reibungslos funktionieren – von der Gebäude- und Veranstaltungstechnik bis hin zu Sicherheits- und Betriebsprozessen. Darüber hinaus engagiert er sich als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Technik der Vereinigung Deutscher Stadionbetreiber.
Es ist Samstagmittag, kurz nach 13:30 Uhr. Die ersten Fans strömen in die Allianz Arena, um das Bundesligaspiel des FC Bayern München gegen den 1. FC Heidenheim zu verfolgen. Während auf den Tribünen die Vorfreude auf den Anpfiff steigt, geht hinter den Kulissen plötzlich ein Feueralarm los: In einem Technikraum ist ein Kabel in Brand geraten. Innerhalb weniger Minuten bringen Feuerwehr und Haustechnik die Situation unter Kontrolle. Ein Elektroverteiler muss vollständig vom Strom getrennt werden – doch die Zuschauerinnen und Zuschauer bekommen von all dem nichts mit. Das Spiel findet wie geplant statt.
Szenen wie diese zeigen, worum es beim Versicherungsschutz eines modernen Stadions eigentlich geht: nicht nur darum, im Schadenfall die Kosten zu übernehmen, sondern Risiken so früh zu erkennen, dass es gar nicht erst zu einem Großschadenereignis kommt. Wir haben Uwe Stadler, Head of Operations der Allianz Arena, bei einem Rundgang begleitet und erfahren, wie viel Aufwand dahintersteckt, damit an Spieltagen alles rundläuft.
Kleine Ursache, große Wirkung
Wie schnell aus einer Kleinigkeit ein größeres Problem werden kann, zeigt ein Vorfall in der Bayern-Kabine. Nicht Starkregen, sondern eine tropfende Sprinklerleitung sorgte für einen Wasserschaden. »Die Leitung hat nur ganz leicht getropft. Zu wenig, als dass das System es registriert hätte, aber genug, dass alles unter Wasser stand«, erinnert sich Stadler. Die Kabine musste während der laufenden Saison trockengelegt und saniert werden. Weil das Wasser durch einen Defekt aus der Leitung austrat, griff in diesem Fall die Gebäudeversicherung.
Aus versicherungstechnischer Sicht bleibt die größte Gefahr Feuer. Bei der Betrachtung des höchstmöglichen Schadens muss aufgrund der offenen Bauweise bei den Zuschauerrängen und dem Dach im schlimmsten Fall davon ausgegangen werden, dass ein Großbrand die gesamte Arena betrifft. Dieses Szenario gilt jedoch als äußerst unwahrscheinlich: Das Gebäude ist in einzelne Brandabschnitte unterteilt. Zudem sind die offenen Bereiche so konstruiert, dass Brandlasten möglichst gering bleiben.
Ohne hohe Standards wie schwer entflammbare Materialien und Brandmeldeanlagen wäre ein Gebäude dieser Größenordnung heute kaum versicherbar.
Wie versichert man ein Stadion?
»Es geht nicht nur darum, ein Gebäude gegen Schäden abzusichern. Entscheidend ist, Risiken durch technische Schutzsysteme, organisatorische Abläufe und Notfallkonzepte beherrschbar zu machen«, erklärt Eileen Martin, Risikoingenieurin der Allianz Versicherungs-AG. Versichert werden dabei Gebäude und Inventar – von Heizungen über Bildschirme bis zur Bierzapfanlage –, ebenso wie mögliche Betriebsunterbrechungen. Fällt eine Veranstaltung aufgrund eines größeren Schadens aus, entstehen wirtschaftliche Verluste, die ebenfalls abgesichert sein müssen. Prävention ist jedoch wichtiger als Schadenregulierung: Je früher ein Risiko erkannt wird, desto seltener kommt es überhaupt zum Schadenfall.
Versichern heißt vorbeugen
Der Rundgang mit Stadler führt auch direkt unter das Dach. Dort zeigt sich am deutlichsten, wie viel technischer Aufwand hinter dem Betrieb der Allianz Arena steckt. »Hier oben steht fast alles, was Technik anbelangt«, sagt Stadler und öffnet die Tür zu einem langen Catwalk entlang der Außenfassade – Wärmepumpen, Lüftungsanlagen, Stromverteilung. Der Grund für die ungewöhnliche Lage: »Weil man die Ebene 0 und die Ebene 1 als Parkflächen nutzen wollte, ist alles unter dem Dach. Das hat nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile.« Durch die verschachtelte Bauweise sind viele Anlagen nur schwer zu erreichen. Außerdem sorgt die besondere Lage dafür, dass größere Ersatzteile mitunter per Hubschrauber angeliefert werden müssen. Ein spektakulärer Mehraufwand, der veranschaulicht, wie wichtig regelmäßige und strukturierte Kontrolle ist.
Genau hier setzt die Arbeit der Allianz an, die über den reinen Versicherungsschutz hinausgeht. Alle vier Jahre begehen Risikoingenieurinnen und -ingenieure gemeinsam mit den Verantwortlichen der Arena das gesamte Gebäude: Welche Veränderungen gab es seit der letzten Begehung? Wurden sicherheitsrelevante Anlagen erneuert? Wo besteht Handlungsbedarf? Gleichzeitig wird geprüft, ob der bestehende Versicherungsschutz noch zum Zustand der Arena passt. Denn mit baulichen Veränderungen können sich auch Messwerte, Risiken und Absicherungsbedarfe verschieben. Bei größeren Anpassungen können die Arena-Verantwortlichen die Risikoingenieur:innen bereits in der Planungsphase einbinden – so wie es kürzlich bei Umbauten im Eingangsbereich geschehen ist. Dadurch liefern die Expertinnen und Experten direkt wichtigen Input zu Sicherheits- und Versicherungsanforderungen.
Die 2784 rautenförmigen Luftkissen, von denen jedes über eine eigene Luftversorgung verfügt, verdeutlichen die technische Komplexität der Konstruktion. Hinzu kommt die Beleuchtung: »Der Winkel der LED-Strahler wurde für jedes einzelne Kissen so festgelegt, dass es optimal angestrahlt wird und ein 3D-Effekt entsteht«, erklärt Stadler.
Alle technischen Systeme im Blick
Trotz aller Prävention: Geht während eines Spiels doch einmal etwas schief, zählt jede Minute. In der Koordinierungsstelle der Arena laufen an Spieltagen alle Fäden zusammen. Expertinnen und Experten mehrerer Institutionen und Behörden sitzen hier gemeinsam an einem Tisch und managen die Veranstaltung. Von hier hat man nicht nur einen einzigartigen Blick in das Stadioninnere, sondern auch auf die großen Bildschirme, auf denen alle technischen Systeme überwacht werden. Jedes davon ist so ausgelegt, dass es möglichst unabhängig von anderen funktioniert und notfalls manuell bedient werden kann. Selbst das Flutlicht kann von Hand eingeschaltet werden.
Besonders kritisch wird es, wenn Lautsprecheranlagen oder Videowände ausfallen: Dann erreichen wichtige Durchsagen die Menschenmenge im Stadion nicht mehr. Aus demselben Grund ist auch eine verlässliche Mobilfunkversorgung ein Sicherheitsthema. Nur wenn Netze auch bei voller Auslastung stabil bleiben, funktioniert die Kommunikation zuverlässig. »Unsere Mobilfunkversorgung hier ist vergleichbar mit der einer Stadt wie Regensburg«, erzählt Stadler. Für den Fall, dass trotzdem etwas ausfällt, ist man auf jedem Gebiet vorbereitet: Es gibt Notfall- und Ausweichkonzepte. Die Stromversorgung läuft über zwei unabhängige Umspannwerke, die jeweils auch den gesamten Bedarf der Arena decken können. Und für die Einschätzung von Extremwetterlagen gibt es seit einiger Zeit sogar eine meteorologische Begleitung bei jeder Veranstaltung.
Am Ende ist es dieses Zusammenspiel aus Prävention, mehrfacher Absicherung und schneller Reaktion, das dafür sorgt, dass ein Kabelbrand am Samstagmittag zur Randnotiz wird statt zur Spielabsage. Wenn am Spieltag alles reibungslos funktioniert, ist das kein Zufall.
Mehr als nur Fußball
Die Anforderungen an Technik und Personal sind nicht bei jeder Veranstaltung gleich. Bei Heimspielen des FC Bayern ist der Ablauf hochgradig routiniert. Mehrmals im Jahr finden jedoch auch andere Großveranstaltungen statt, etwa Konzerte, ein Champions-League-Finale oder Spiele der amerikanischen NFL. Dafür sind oftmals umfangreiche Umbauten erforderlich.
Eine besonders große Herausforderung sind die NFL-Spiele. »Ein gutes Beispiel ist die Allianz Loge. Die steht beim NFL-Spiel nicht zur Verfügung, weil dort die Kommentatorenkabinen sind. Die müssen genau da sein, wegen des Winkels auf das Spielfeld«, erläutert Stadler. Außerdem mussten spezielle Aufbauten errichtet und mehrere Kilometer zusätzlicher Kabel verlegt werden, weil beim American Football andere Kamerapositionen benötigt werden als beim Fußball. Letztlich fand sich jedoch für jedes Problem eine Lösung, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. Ein weiterer Beleg für die organisatorische und technische Leistungsfähigkeit der Allianz Arena.
Das Stadion ist weit mehr als nur der Austragungsort für 90 Minuten Fußball. Hinter den Kulissen arbeiten zahlreiche Fachleute und hochkomplexe Systeme täglich daran, Risiken zu minimieren und Sicherheit zu gewährleisten. Ihr Einsatz macht deutlich: Prävention und Absicherung sind keine Nebensache, sondern die Grundlage für einen reibungslosen Betrieb. Die Versicherungen der Allianz runden dieses Konzept zuverlässig ab.
Text Yannik Mintert
Bild Allianz







