06.07.2026

»Mein Körper ist mein Kapital«

Frederic Funk gehört zu den stärksten deutschen Triathleten auf der Langdistanz. Im Oktober 2025 reißt ihn ein Sturz mit dem Gravel-Bike aus dem Trainingsalltag. Ein Gespräch über den harten Weg zurück an die Spitze.

Zur Person

Frederic Funk (Jahrgang 1997) wuchs im bayerischen Chiemgau auf und lebt heute als Profi in Kufstein (Österreich). Seit 2024 ist er mit der ungarischen Triathletin Zsanna Filep verheiratet. Das Ausdauer-Gen liegt in der Familie: Auch seine Eltern Heike und Harald Funk waren im Triathlon aktiv. Seinen ersten Wettkampf bestritt Funk mit fünf Jahren bei der Junior Challenge in Roth. Seit 2018 ist er Profi und sammelte seither Titel auf der Halbdistanz: Deutscher Meister (2018), Europameister (2021) und Ironman-70.3-Vizeweltmeister (2023). Seit 2024 startet er zudem in der Premium-Profiserie T100 World Tour. Im selben Jahr wurde er bei »The Championship« in Šamorín, dem WM-Rennen der Challenge Family, Vizeweltmeister. Auf Instagram und seinem YouTube-Kanal nimmt Funk seine Fans mit hochwertig produzierten, fast filmreifen Videos in seinen Alltag als Profisportler mit.

Im Oktober 2025 hat Sie ein Sturz mit dem Bike aus dem Training gerissen. Was ist passiert?
Der Hauptteil der Saison lag hinter mir, ich war in der Offseason und einfach in den Bergen mit dem Gravel-Bike unterwegs. Ich habe nicht auf Leistungswerte geschaut, nur das gute Wetter genossen. Ich fuhr eine schmale Asphaltstraße herunter und wollte eine wandernde Familie überholen. Genau in diesem Moment ist eines der Kinder plötzlich quer über die Straße vor mein Rad gelaufen. Ich hatte keine Zeit mehr zu bremsen und habe mich überschlagen. Das Kind hatte zum Glück nur eine kleine Platzwunde. Mein Helm war zerbrochen, er hat mich vor Schlimmerem geschützt. Als ich mich aufrichten wollte, wusste ich sofort: Mit dem rechten Arm stimmt etwas nicht. 

Wann war Ihnen klar, dass es nichts ist, was nach ein paar Tagen vorbei ist?
Den Schmerz habe ich gleich so eingeordnet, dass es nicht schnell geht. Dass operiert werden muss, habe ich erst in der Notaufnahme erfahren – eine Olekranon-Fraktur, also eine Gelenkverletzung, die deutlich komplizierter ist als ein glatter Bruch. Es kam eine Platte mit Schrauben rein. Als Profisportler war mir extrem wichtig, in den besten Händen zu sein. Mein Körper ist am Ende mein Kapital.

Hatten Sie sich als Sportprofi entsprechend abgesichert?
Zum Zeitpunkt der OP ehrlich gesagt noch nicht. Manchmal muss erst so etwas passieren, damit man endlich aktiv wird. Inzwischen habe ich eine umfangreiche private Unfallversicherung abgeschlossen und zudem eine Lebensversicherung. Mir ist durch den Sturz noch mal viel bewusster geworden, welches Risiko der Sport bedeutet. Mit dem Rennrad bin ich im Training natürlich oft sehr schnell auf der Straße unterwegs, fünf- oder sechsmal die Woche, 15.000 bis 20.000 Kilometer im Jahr. Meine Frau ist jedes Mal froh, wenn ich heil zurückkomme. In den meisten Fällen ist so ein Unfall nicht einmal selbst verschuldet. Man hat es nicht immer selbst in der Hand. Deshalb ist es so wichtig, sich abzusichern.

Durch die Verletzung war Ihr Trainingsplan erst einmal hinfällig. Wie anstrengend war die Reha-Phase – auch für die Psyche?
Nach der OP war sofortiges Dranbleiben entscheidend. Ich hatte nur zwei Tage einen Gips, danach eine bewegliche Schiene und fünfmal die Woche Physio. Schon sieben Tage nach der OP saß ich wieder einarmig auf der Rolle, den verletzten Arm in einer Schlinge. Am Anfang ging es schnell voran, da war ich sehr zuversichtlich. Aber irgendwann wurde es nicht mehr von Woche zu Woche besser, sondern nur noch in kleinen Schritten von Monat zu Monat. Mein Test war, wie nah ich mit der rechten Hand an die rechte Schulter komme. Eine Zeit lang dachte ich, das schaffe ich nie wieder ganz. Irgendwann hat sich der Körper glücklicherweise wieder angepasst, und heute ist eigentlich alles wie vorher.

»Aus Niederlagen lernt man am Ende mehr als aus Siegen. Wenn es mal nicht läuft, schaut man eher, woran man arbeiten muss«

Was hat Ihnen in dieser Phase geholfen?
Zum einen das Umfeld – meine Frau, Familie und Freunde haben mir von Anfang an Mut gemacht. Zum anderen kann ich selbst ganz gut das Beste aus schwierigen Situationen mitnehmen. Ich habe versucht, von Tag zu Tag zu schauen, was ich machen kann, statt darauf, was nicht geht. Und ich habe gelernt, dass so eine Pause auch ihr Gutes hat: Der Körper kommt zur Ruhe und verarbeitet die Reize der ganzen Saison. Es war wie ein kleiner Reset. Aus Niederlagen lernt man am Ende mehr als aus Siegen. Wenn es mal nicht läuft, schaut man eher, woran man arbeiten muss. Als Profisportler muss man zu so einer Pause allerdings meist gezwungen werden.

Schritt für Schritt zurück an die Spitze: Direkt nach dem Unfall waren für Frederic Funk erst einmal nur Spaziergänge möglich
Starke Beine: Auch beim Laufen ist der Triathlet schnell unterwegs. In dieser abschließenden Disziplin fällt häufig die Entscheidung
Lieblingsdisziplin: Beim Radfahren spielt Frederic Funk seine größte Stärke aus. Nach dem Unfall musste er zunächst einarmig auf der Rolle trainieren

Allianz als Gesundheitspartner bei der Challenge Roth

Die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) ist neuer offizieller Gesundheitspartner der Challenge Roth, des weltweit größten Langdistanz-Triathlons. Im Mittelpunkt der Partnerschaft stehen Themen wie Prävention, Ernährung und mentale Stärke – wichtige Aspekte für einen gesunden und leistungsfähigen Alltag, nicht nur im Sport.

Rund um das Event unterstützt die Allianz Athlet:innen sowie Besucher:innen unter anderem mit einer »Allianz Powerzone« entlang der Strecke, in der sich die Athletinnen und Athleten kurz vor dem Ziel noch einmal mit Getränken versorgen und Motivation für die letzten Meter mitnehmen können. Auf der parallel zum Rennen stattfindenden Triathlon-Messe ist die Allianz zudem mit einem Stand und lokalen Agenturen vertreten.

Inzwischen sind Sie wieder einige Rennen gefahren – mit Höhen und Tiefen.
Genau, der Wiedereinstieg war ein ständiges Auf und Ab. Früh im Jahr wollte ich mir in Neuseeland das Hawaii-Ticket holen. Das Rennen lief gut, aber als ich gemerkt habe, dass es für die Qualifikation nicht reicht, bin ich beim Marathon ausgestiegen, um meine Kräfte zu schonen. So eine Entscheidung muss man als Profi manchmal treffen, auch wenn sie wehtut. Danach hatte ich weiter mit Rückschlägen zu kämpfen. Ein zweiter Qualifikationsversuch platzte wegen eines Infekts. Umso mehr hat mir dann der Sieg Ende Mai bei der Challenge St. Pölten gutgetan. Mein erster Profisieg seit fast 1000 Tagen! Mal wieder das Zielband hochzuhalten und zu wissen, dass ich auf diesem Niveau nach der Verletzung wieder den Anschluss habe, hat mir enorm viel Selbstbewusstsein gegeben.

»Roth bedeutet mir sehr viel. Ich will so fit wie möglich an der Startlinie stehen und mich mit den Besten der Welt messen«

Mit der Challenge Roth steht Anfang Juli Ihr großes Saisonziel an – fast ein Heimspiel. Was haben Sie sich für Roth vorgenommen?
Roth bedeutet mir sehr viel: Meine Familie kommt aus Mittelfranken, ich habe nach dem Abitur selbst einige Jahre in Nürnberg trainiert und bin viel auf den Straßen rund um Roth gefahren. Letztes Jahr dort meine allererste Langdistanz zu bestreiten, war einzigartig – ich wurde Fünfter, in 7:40 Stunden. Umso mehr freue ich mich auf die Rückkehr. Das Feld ist in diesem Jahr extrem stark besetzt, mit den Besten der Welt. Genau deshalb will ich so fit wie möglich an der Startlinie stehen und mich mit ihnen messen. Bei diesem Niveau wäre ein fünfter Platz noch einmal höher einzuordnen als im Vorjahr. Das ist mein realistisches Ziel. 

Und der ganz große Traum?
Ganz klar: der Ironman auf Hawaii. Die Qualifikation hat dieses Jahr trotz zweier Anläufe nicht geklappt, ganz abgeschrieben habe ich sie aber noch nicht. Hawaii ist auch der große Traum meiner Frau, die ebenfalls Triathletin ist. Schön, dass ich sie und die anderen Menschen aus meinem Umfeld, die so viel für mich tun, daran teilhaben lassen kann. Ich bin zuversichtlich: Wenn nicht dieses Jahr, dann klappt es 2027.

Update nach der Challenge Roth am 6. Juli 2026: Sein großes Saisonziel hat Frederic Funk am 5. Juli erreicht: gesund an der Startlinie und mitten unter den Besten der Welt. In 7:38:14 Stunden wurde er Siebter und blieb damit unter seiner Vorjahreszeit, in einem Rennen, das Sam Laidlow mit Weltbestzeit gewann. Der Weg an die Spitze geht weiter.

Weil jede Bewegung zählt 

Profisportler:innen sind auf einen gesunden und leistungsfähigen Körper angewiesen. Verletzen sie sich, kann das weitreichende körperliche und finanzielle Folgen haben. Die Private Unfallversicherung für Profisportler der Allianz bietet genau hier Schutz: Sie unterstützt individuell – je nach Verletzung – und hilft, möglichst schnell wieder in Sport und Alltag zurückzukehren. Leistungen wie Invaliditätszahlungen oder Zuschüsse für notwendige Hilfsmittel (z. B. Spezialprothesen) erleichtern den Neustart. Flexible Optionen, etwa eine höhere Absicherung bei schwerer Invalidität oder eine lebenslange Unfallrente, sorgen für zusätzlichen Schutz vor den finanziellen Folgen eines Unfalls. Unabhängig davon, ob der Unfall während eines Wettkampfs, im Training oder in der Freizeit passiert.

Interview Katja Hertin
Fotos privat 

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