17.06.2026

Eine Frage der Balance

Carmen Lück jongliert in ihrem Alltag zwei Jobs: Neben einer Teilzeitanstellung als Bewegungstherapeutin ist sie als Zirkusartistin viel unterwegs. Uns hat sie erzählt, wie sie diesen Spagat meistert und welche Rolle für sie Freiheit und Sicherheit spielen.

Zur Person

Name: Carmen Lück
Jahrgang: 1991
Wohnort: Regensburg
Beruf:  Bewegungstherapeutin und Zirkusartistin
Mein Motto: »Einfach mal ausprobieren!«

»Dass ich mal Zirkusartistin werde, ist eher so passiert. Angefangen hat alles während des Studiums: Ich habe damals in Regensburg Angewandte Bewegungswissenschaften studiert und nebenbei mit der Artistik angefangen. Damals war das für mich ein reines Hobby. Dass ich irgendwann damit Geld verdienen könnte, kam mir gar nicht in den Sinn. Aus dem Hobby wurde dann allerdings schnell mehr, und es kamen erste semiprofessionelle Auftritte dazu, bei denen ich mein erstes Geld verdient habe. Heute trete ich sowohl im Artistik-Duo – gemeinsam mit meinem Mann – als auch solo mit dem Cyr-Wheel, einem mit dem Rhönrad verwandten Stahlreifen, auf.

Nach meinem Studium habe ich dann ein Jobangebot von meinem jetzigen Arbeitgeber erhalten. Ich habe die Stelle angenommen, weil sie vielversprechend klang und die Artistik außerdem noch nicht genügend abgeworfen hatte, um mich finanziell abzusichern. Darüber bin ich auch heute noch froh, denn ich arbeite gern als Bewegungstherapeutin – und mein Arbeitgeber bietet mir tolle Bedingungen und sehr viel Flexibilität, sodass ich beide Jobs gut vereinen kann.

»Beide Jobs unter einen Hut zu bekommen, ist eine organisatorische Herausforderung.«

Carmen Lück, angestellte Bewegungstherapeutin und selbstständige Zirkusartistin
Balance-Akt: Carmen Lück im Cyr-Wheel

Eine normale Woche sieht bei mir so aus: An vier Tagen bin ich in der Praxis und übernehme dort jeweils zwei Früh- und zwei Spätschichten. Die restliche Zeit drumherum muss ich gut strukturieren. Trainieren gehe ich immer dann, wenn Hallen frei sind und mein Equipment verfügbar ist. Spätabends checke ich dann oft noch E-Mails und organisiere Auftritte.

Beide Jobs unter einen Hut zu bekommen, ist eine organisatorische Herausforderung, für die ich manchmal auch mein Privatleben bewusst hintanstelle. Im Sommer sind wir als Artistik-Duo viel unterwegs, meistens am Wochenende. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Auftritt mit privaten Einladungen kollidiert. In solchen Fällen wäge ich ab, was gerade wichtiger ist.

»Durch mein monatliches Fixgehalt kann ich viel entspannter an die Selbstständigkeit rangehen.«

Für mich ist die Kombination aus festem Angestelltenverhältnis und Selbstständigkeit gerade genau das Richtige. Ersteres sorgt für eine klare Struktur, die mir Halt gibt. Außerdem nimmt es mir viel Druck: Durch mein monatliches Fixgehalt kann ich viel entspannter an die Selbstständigkeit rangehen, weil ich damit meine monatlichen Ausgaben decke. 

Als Artistin hingegen habe ich sehr viele Freiheiten. Dieser Teil meiner beruflichen Tätigkeit ist immer aufregend und bringt mich an Orte, an die ich sonst vielleicht nicht kommen würde. In den vergangenen Jahren sind wir etwa in Neuseeland, Puerto Rico und Japan aufgetreten. Dadurch lerne ich die Länder viel besser kennen, als wenn ich dort nur als Touristin unterwegs wäre. So toll diese Reisen sind, so schwierig sind sie manchmal zu organisieren: Denn ich muss mich immer von meinem Teilzeitjob beurlauben lassen. Gleichzeitig versuche ich, auch immer noch zusätzliche Zeit als eigentlichen Urlaub zum Entspannen einzuplanen. Generell muss ich mich für meine Selbstständigkeit sehr gut strukturieren und disziplinieren.

Auch das Thema Versicherungen ist bei meinem Mischmodell etwas komplizierter. Über meinen Arbeitgeber zahle ich in die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung ein. Zusätzlich übernimmt die Künstlersozialkasse den Teil der Rentenversicherung, der mir durch die Teilzeitbeschäftigung fehlt.

Mit meinem Mann, der auch Artist ist, habe ich eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen, die auch gleichzeitig meine Privathaftpflicht ist. Die greift, wenn ich zum Beispiel auf der Bühne etwas kaputt machen würde oder falls Personen zu Schaden kommen sollten.

Alles stabil: Carmen Lück fühlt sich gut abgesichert

»Ich habe keine Angst, einfach mal etwas auszuprobieren.«

Wichtig ist mir, einen guten Puffer für schlechtere Zeiten zu haben. Dafür lege ich regelmäßig Geld zur Seite und bin Riester-Sparerin. Außerdem haben mein Mann und ich uns vor wenigen Monaten eine Immobilie als Geldanlage gekauft, die wir vermieten. Das gibt uns zusätzlich langfristige Sicherheit, die auch mental guttut.

Aktuell bin ich sehr glücklich mit meiner Situation. Solange mir der Job in der Praxis Spaß macht, sehe ich auch keinen Anlass, ihn aufzugeben. Sollte irgendwann jedoch ein tolles Angebot für ein längerfristiges Engagement hereinflattern, kann ich mir allerdings gut vorstellen, mich erst einmal darauf zu konzentrieren. Ich lasse mich einfach überraschen, was das Leben noch so bringt – und habe keine Angst, etwas auszuprobieren.«

Protokoll Katharina Köck
Fotos privat

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