08.09.2026

Versicherungen zum Berufsstart: Was jetzt wichtig wird

Endlich das erste eigene Gehalt! Mit dem Start in den Beruf beginnt für viele junge Erwachsene ein neuer Lebensabschnitt – inklusive zusätzlicher Verantwortung. Marlene, Finn und Sezer erzählen, was sie beschäftigt.

Name: Marlene
Jahrgang: 2004
Wohnort: München
Wohnsituation: Eigene Wohnung
Ausbildung: Kochausbildung im
3. Ausbildungsjahr
Aktueller Verdienst in der Ausbildung: Ca. 900 Euro (netto)

Marlene liebt gutes Essen – das zeigt sich nicht nur bei der Wahl ihrer Ausbildung, sondern auch auf ihren Kontoauszügen: »Ich gebe gerne mein Gehalt für hochwertige Lebensmittel aus. Seit ich in der Kochausbildung bin, achte ich noch mehr auf Qualität und lasse mich auch gerne von anderen Köchen inspirieren.« Schon im Kindergarten war Köchin ihr Traumberuf. Nach einigen Praktika im Hotel und feinen Restaurants kam sie diesem Ziel 2024 einen großen Schritt näher: Seit dem Herbst 2024 lernt sie in einem Münchner Fine-Dining-Restaurant die Grundlagen der hohen Kochkunst.

Ihre erste Amtshandlung nach dem Ausbildungsstart? »Ich habe mich direkt um meine Krankenversicherung gekümmert, damit alles reibungslos weiterläuft«, erzählt Marlene. Mit dem ersten Gehalt sind alle Auszubildenden automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Welche GKV sie wählen, können sie selbst entscheiden.

Nicht vorgeschrieben, aber äußerst wichtig und sinnvoll ist eine Privathaftpflichtversicherung. Sie kommt für Schäden auf, die eine Person einer anderen oder fremdem Eigentum versehentlich zufügt. Auszubildende sind oft noch über die Privathaftpflicht der Eltern abgesichert. Sollte die Person nicht mehr im gemeinsamen Haushalt mit den Eltern wohnen und vor der Ausbildung einen Teil- oder Vollzeitjob ausgeübt haben oder während der Ausbildung berufstätig sein, ist eine eigene Privathaftpflichtversicherung erforderlich. Bei Marlene ist das jedoch nicht der Fall.

Zu den wichtigsten Versicherungen für Auszubildende gehört zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Sie verschafft finanzielle Sicherheit, sollte Berufsunfähigkeit eintreten. Denn: Eine finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten Auszubildende nur dann, wenn sie alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Selbst in diesem Fall reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente meist nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Statistisch gesehen wird jede vierte Person irgendwann im Lauf des eigenen Erwerbslebens berufsunfähig – sei es durch eine plötzlich auftretende Krankheit, eine psychische Erkrankung oder einen Sport- oder Autounfall.

Finn hat sich für eine Ausbildung zum Zimmerer entschieden. Mit dem Werkstoff Holz ist er von klein auf vertraut, denn sein Vater ist von Beruf Schreiner. Schon während seiner Schulzeit hat er immer wieder in der väterlichen Firma ausgeholfen und kam so früh mit dem Handwerk in Berührung. Für ihn war es ein Beruf mit Zukunft und guten Aufstiegschancen.

Zudem betreibt er zusammen mit einem Freund eine kleine Firma für Innenausbau, für die er im Vorfeld eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Wie wichtig Versicherungen sind, musste er mit dieser Firma schon erfahren, als bei Arbeiten versehentlich eine Stromleitung angebohrt wurde. »Zum Glück mussten wir die Versicherung am Ende doch nicht in Anspruch nehmen. Aber es war schon ein gutes Gefühl, zu wissen, dass wir bei einem größeren Schaden abgesichert gewesen wären.«

Außerdem gut zu wissen: Über die Privathaftpflichtversicherung der Allianz in den Linien Komfort und Premium sind selbstständige nebenberufliche Tätigkeiten mit einem Jahresumsatz bis 12.000 Euro abgesichert. Eine Privathaftpflichtversicherung ist jedoch keine Betriebshaftpflichtversicherung und kann diese und die Leistungen darin nicht ersetzen. Für einige Berufsgruppen gibt es zudem eine gesonderte Pflichtversicherung, zum Beispiel in der Ärzteschaft oder in Anwaltskanzleien.

Nicht alle Herausforderungen während der ersten Jahre in der Ausbildung lassen sich mit umsichtigem Verhalten vermeiden. Ob ein unverschuldeter Verkehrsunfall, Streitigkeiten in der Nachbarschaft oder Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber, etwa bei einer Kündigung in der Probezeit – rechtliche Auseinandersetzungen können schneller entstehen als erwartet.

Eine Rechtsschutzversicherung bietet in solchen Situationen wichtige Unterstützung: Sie übernimmt die Kosten für anwaltliche Beratung und Gerichtsverfahren, die andernfalls schnell zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden können. Darüber hinaus profitieren Versicherte von umfangreichen Serviceleistungen wie einer telefonischen Rechtsberatung, die eine schnelle und unkomplizierte Ersteinschätzung der eigenen Rechtslage ermöglicht. Auszubildende sind in der Regel während ihrer ersten Ausbildung noch über die Rechtsschutzversicherung ihrer Eltern mitversichert. Fehlt eine solche Absicherung über die Eltern, empfiehlt es sich, frühzeitig eine eigene Rechtsschutzversicherung abzuschließen.

Mittlerweile hat sich bei Finn einiges verändert: Im Juli 2026 hat er seine Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt, kann den Beruf des Zimmerers aus gesundheitlichen Gründen aber nicht mehr ausüben. Bei ihm wurde eine Hüfterkrankung diagnostiziert, er braucht auf beiden Seiten ein neues Hüftgelenk. Die erste Operation liegt bereits hinter ihm, die zweite steht noch an. In den kommenden Monaten ist er in Reha. 

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat Finn nicht abgeschlossen. Beispiele wie die überraschende Erkrankung des Zimmerergesellen zeigen, wie wichtig eine BU werden kann. Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt: Wer sich früh genug absichert – am besten schon zu Ausbildungsbeginn und bei guter Gesundheit –, profitiert in der Regel von günstigen Beiträgen und hat deutlich bessere Chancen auf einen Vertrag, der im Ernstfall wirklich greift.

Der Handwerksbetrieb mit Schwerpunkt Innenausbau, den Finn gemeinsam mit einem Freund gegründet hat, existiert weiterhin. Früher hat der gelernte Zimmerer dort selbst mit angepackt. Jetzt übernimmt er das, was momentan machbar ist: Finanzbuchhaltung, Terminplanung und die Organisation drumherum. Versichert ist die Firma bei der Allianz – mit verschiedenen Kfz-Versicherungen für die Fahrzeuge und einer Betriebshaftpflicht.

Name: Finn
Jahrgang: 2005
Wohnort: München
Wohnsituation: Bei den Eltern
Ausbildung: Abgeschlossene Ausbildung als Zimmerer
Aktueller Verdienst: Wegen Reha derzeit kein regelmäßiges Einkommen

Name: Sezer
Jahrgang: 2003
Wohnort: Unterschleißheim
Wohnsituation: Bei den Eltern
Beruf: Steuerfachangestellter, nach der Ausbildung von der Kanzlei übernommen
Aktuelles Gehalt: Zwischen 3500 und 3800 Euro (brutto) 

Sezer hat seine Ausbildung zum Steuerfachangestellten vor Kurzem erfolgreich abgeschlossen und wurde von seiner Kanzlei übernommen. Er bereitet dort zum Beispiel die Finanzbuchhaltung für die Steuerberatung vor und hat dadurch täglich mit Finanzen zu tun. Klar, dass er sich auch privat mit dem Thema beschäftigt. Einen Teil seines Gehalts spart er zurzeit für einen Flugschein an. Eines Tages selbst im Cockpit eines Flugzeugs zu sitzen, ist ein Traum, den er schon als Kind hatte.

Mit Zusatzversicherungen zur gesetzlichen Krankenversicherung hat sich Sezer ebenfalls schon auseinandergesetzt – aus privaten Gründen. Er hat sich für eine Zahnzusatzversicherung entschieden. »Ich gehe regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt und lasse meine Zähne professionell reinigen. Da die Zusatzversicherung die Kosten für die Zahnreinigung übernimmt, spare ich einiges an Geld.« Wer sie in jungen Jahren abschließt, zahlt außerdem günstigere Beiträge.

Auch Marlene hat bereits über eine Zahnzusatzversicherung nachgedacht, sich aber vorerst dagegen entschieden: »Ich rechne nicht damit, dass ich in den nächsten Jahren große Probleme mit meinen Zähnen haben werde, deshalb wollte ich mir das Geld dafür während der Ausbildung lieber sparen. Für später habe ich das aber schon auf dem Plan.«

In manchen Fällen ist der Berufsbeginn mit dem Auszug aus dem Elternhaus verbunden, sei es, weil die Ausbildungsstelle in einer anderen Region liegt oder weil man nach der Schule auf eigenen Beinen stehen will. Letzteres gilt für Marlene. Sie zog zum Start ihrer Ausbildung in ihre erste eigene Wohnung. Damit das neue Zuhause im Schadenfall abgesichert ist, lohnt sich eine Hausratversicherung. Ob Möbel, elektronische Geräte oder andere Wertgegenstände – nicht alles lässt sich bei Verlust oder Beschädigung einfach ersetzen. Wer während der Ausbildung vorübergehend in einer WG wohnt oder zur Untermiete lebt und das Elternhaus als Hauptwohnsitz behält, kann in der Regel weiterhin über die Hausratversicherung der Eltern mitversichert bleiben. Dieser Schutz besteht, solange kein eigener Hausstand gegründet wird. 

Text Maria Dünninger, Katja Hertin
Fotos Oliver Soulas

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