Ein Tornado hat den Kirchturm der St. Clemens-Kirche in Lippstadt abgerissenEin Tornado hat den Kirchturm der St. Clemens-Kirche in Lippstadt abgerissen

25.05.2022

»Der Wind fegte mit bis zu 300 Stundenkilometern durchs Land«

Halbe Bäume fliegen durch die Luft, Dächer werden abgedeckt, eine Kirchturmspitze bricht ab: Sturmtief »Emmelinde« hat am 20. Mai in Paderborn und Lippstadt mehrere Tornados entstehen lassen. Markus Aichinger, Meteorologe bei der Allianz Re, erklärt das Wetterphänomen, wie man sich schützen kann und ob es künftig häufiger auftritt

Herr Aichinger, was ist ein Tornado und wie entsteht er?

Aichinger: Tornados sind die stärksten Stürme, die es auf diesem Planeten gibt. Sie entstehen hauptsächlich in Schwergewittern. Einfach erklärt: Durch die sehr starken Aufwinde wird die Luft nach oben gerissen. Fängt sie an zu rotieren, bilden sich die sogenannten Windhosen, also der Tornado. In Deutschland sind diese Windhosen jedoch oft nicht gut sichtbar, dafür ist bei uns meist die Umgebungsluft zu feucht und die Sicht zu schlecht. Auf den aktuellen Bildern erkennt man den Tornado meist nur als dunkelgraue Fläche zwischen einer hellgrauen Umgebung.

Wie stark waren die Stürme am vergangenen Freitag?

Generell misst man Tornados in sechs verschiedenen Stufen nach der Fujita-Skala. Sie beschreibt die Windgeschwindigkeit, mit der die Tornados unterwegs sind, und ihre Zerstörungskraft. Die Tornados in Paderborn und Lippstadt waren mindestens F2- oder gar F3-Tornados, der Wind fegte hier mit einer Stärke von 180 bis 300 Stundenkilometern durchs Land.

Müssen wir uns an Tornados gewöhnen?

Zuerst einmal lässt sich sagen, dass Tornados in Deutschland nicht so selten sind, wie man oft glaubt, denn sie treten überall dort auf, wo es schwere Gewitter gibt. Das ist bei uns vor allem im Spätfrühling und Sommer der Fall. Meist haben wir zwischen 50 und 100 Beobachtungen im Jahr. Es ist schon eine extreme Zunahme von Tornado-Beobachtungen über die vergangenen 20 Jahre festzustellen. Das liegt aber vor allem daran, dass heute viel mehr Menschen mit Kameras unterwegs sind. Ob und in welchem Umfang die Klimaerwärmung zu mehr Tornados führt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Was man als Meteorologe aber sagen kann: Die erhöhte Temperatur setzt mehr Energie frei, die Gewitter nährt – wenn also ein Gewitter oder gar ein Tornado entsteht, kann das auch oft deutlich heftiger werden als früher. 

Wie kann man sich selbst vor einem Tornado schützen?

Das Beste, was im akuten Fall hilft, ist, in Deckung zu gehen. Tornados sind deswegen so gefährlich, weil durch die hohe Windgeschwindigkeit Trümmer aufgewirbelt werden. Alle kennen sicherlich die aktuellen Bilder, auf denen zum Beispiel Dachziegel in Hauswänden stecken geblieben sind. Deswegen ist es gerade in Städten so gefährlich, denn hier gibt es viele Dinge, die umherfliegen können. Am besten begibt man sich also in geschlossene Räume, im Idealfall in einen fensterlosen Kellerraum oder ein Treppenhaus. Eine große Gefahr bei Tornados sind Schaufensterscheiben, denn die können leicht zersplittern und zu Geschossen werden. Also Wetterwarnungen ernst nehmen und im Falle einer Warnung den Himmel beobachten. Ein Tornado kommt nicht plötzlich und unerwartet.

Markus Aichinger, Meteorologe bei der Allianz Re,
Markus Aichinger ist Meteorologe bei der Allianz Re

Wie sind Tornados in der Versicherung abgedeckt?

Sturmschäden werden in der Wohngebäude- und Hausratversicherung des neuen Allianz Privatschutzes schon ab Windstärke sieben abgedeckt, also wenn sie mindestens 50 Stundenkilometer aufbringen, und das tun Tornados bei Weitem. Dabei spielt es keine Rolle, wie oder wo der Sturm entstanden ist. Die Allianz Hausrat- und Wohngebäudeversicherung decken Tornados immer mit ab. Eine Extremwetterschutzversicherung schützt ergänzend dazu bei Schäden durch weitere Naturgewalten, wie zum Beispiel Starkregen, der auch überall in Deutschland auftreten kann. Da muss kein Fluss oder Bach in der Nähe sein, um Keller zu fluten. Die Versicherung ersetzt materielle Dinge und deckt die finanziellen Schäden. Besser ist es aber, vorbereitet zu sein, um sich und andere zu schützen. Dazu muss ich mir vorab schon mal überlegt haben: Wie verhalte ich mich im Falle des Falles, und wo gehe ich in Deckung?

Foto picture alliance.dpa.Bernd.Thissen, Privat 

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